IAAEU-Studie zur Bedeutung von sinnhafter Arbeit erscheint in führendem Management-Journal

 

Welche Bedeutung hat es für Beschäftigte, wenn ihre Arbeitsleistung einen bestimmten Zweck erfüllt? Oder interessiert nur der eigene Verdienst, so dass das eigentliche Ergebnis der Arbeit unwichtig ist? Und wie reagieren Beschäftigte eigentlich darauf, wenn sie mitgeteilt bekommen, dass sich eine von ihnen absolvierte Arbeitsaufgabe im Nachhinein als nutzlos herausstellt? Diesen Fragen widmet sich ein Forschungsteam des IAAEU in einer Experimental-Studie, die demnächst in Management Science, einem der führenden Management-Journals („A+“-Ranking nach VHB-Jourqual), erscheinen wird. Mit Adrian Chadi und Sabrina Jeworrek sind an diesem Publikationserfolg gleich zwei beteiligt, die aktuell in den Diensten des IAAEU stehen. Vanessa Mertins, die seit diesem Jahr als Professorin an der Universität Vechta forscht und lehrt, komplettiert als ehemalige Triererin das Dreier-Team.
 
Die Studie trägt den Titel „When the Meaning of Work Has Disappeared — Experimental Evidence on Employees’ Performance and Emotions” und ist ein Beitrag zur Personalforschung. Hier wird im Rahmen sogenannter „Information Sharing“-Konzepte darüber nachgedacht, wie und ob Arbeitskräfte u.a. zur Steigerung der Arbeitsmotivation sowie der Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber in die Hintergründe ihrer Tätigkeiten miteinbezogen werden sollen. Was sich plausibel anhört, könnte allerdings bei weniger erfreulichen Nachrichten zum Problem werden, wenn stundenlange Arbeit am Ende des Tages zu keinem wertvollen Ergebnis geführt hat. Um dies zu untersuchen, nutzte das Trier Forschungsteam eine konkrete Gegebenheit an der Universität.
 
Und zwar zeigt sich im Anschluss an ein großes Inventarisierungsprojekt, welches tausende über Jahrzehnte hinweg gesammelte Geschäftsberichte der Forschungsgemeinde zur Verfügung stellen sollte, dass die Sammlung insgesamt sehr lückenhaft war und sich in einem schlechten Zustand befand. Dies führte zu der zunächst weniger erfreulichen Erkenntnis, dass ein mit großem Aufwand gestartetes Projekt keinen erfolgreichen Ausklang nehmen wollte. Obwohl sich wahrscheinlich viele Beschäftigte schon mal in einer solchen Situation befanden, bot die Personalforschung jedoch bislang keine Studie, die sich mit eben jener Problematik befasste.
 
Das Forschungsteam des IAAEU zögerte nicht lange und lud die mehr als einhundert bei der Inventarisierung beteiligten Halbtagshilfskräfte zu einer Online-Befragung ein. Einer durch Zufall bestimmten Gruppe wurde im Laufe dieser Befragung mitgeteilt, dass kaum ein Interesse an der Verwendung des mit Ihrer Hilfe erstellten Unternehmensarchivs besteht und ihre Arbeit somit wohl weitestgehend überflüssig war. Einer anderen Gruppe blieb diese Information verwehrt, sodass diese experimentelle Variation die Bestimmung eines kausalen Effekts der Bedeutung sinnhafter Arbeit ermöglicht. Und in der Tat zeigte sich, dass diejenigen Arbeitskräfte, die über den Verlust der Sinnhaftigkeit der vorhergegangenen Arbeit informiert wurden, im Rahmen einer anschließenden Vignetten-Studie weniger als die Vergleichsgruppe dazu motiviert waren, dem Wunsch einer möglichst vollständigen Bearbeitung von Vignetten nachzukommen. Es stellte sich außerdem heraus, dass einige der Teilnehmer Emotionen zeigten und signifikant eher Enttäuschung und andere negative Gefühle berichteten.
 
Da die Inventarisierung der Geschäftsberichte aber gleichzeitig einer weiteren Forschungsarbeit diente (siehe Jeworrek und Mertins 2014), konnte im Experiment auch gezeigt werden, dass es im Idealfall einen alternativen Sinn der Arbeit gibt, mit welchem negativen Reaktionen vermieden werden können. Die Information darüber, dass durch die Hilfskraftstätigkeit die Grundlage für eine Forschungsstudie geschaffen wurde, kompensierte die negative Wirkung durch den Verlust des eigentlichen Projektzwecks. Auch dies bestätigt wiederum die Bedeutung von sinnhafter Arbeit und erweitert bisherige Befunde in der personalökonomischen Forschung zur Rolle nicht-monetärer Anreize im Arbeitsplatzkontext.